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16.04.2012

Hallo an meine anscheinend noch immer fleißigen Blog-LeserInnen.

Mittlerweile ist es über 1, 1/2 Jahre her, dass ich wieder in Deutschland bin und noch immer steigen die BesucherInnenzahlen für meinen Blog um 25 pro Woche.

Danke für das Interesse!

Bald habe ich die 3000-Marke erreicht. und das, obwohl garkeine neuen Einträge mehr kommen.

Doch das wird sich bald ändern!!!!

Im August ist es wieder so weit und es geht zurück nach Ghana. Carla goes back home "Carla kɔ fie"

Warum?

Erstmal, weil ich mich in dieses Land verliebt habe, wie ihr ja wahrscheinlich mitbekommen habt, wenn ihr meine Blogeinträge gelsen habt.

Aber vor allem, weil ich letzten August wieder für einen Monat da war und eine NGO "Boa Nnipa" gegründet habe.

Über Boa Nnipa soll das Sexualaufklärungsprojekt, das ich während meines ersten Ghanajahres gestertet habe weitergeführt werden.

Infos dazu findet ihr auf unserer facebookseite: http://www.facebook.com/pages/Boa-Nnipa/289001294493008

Spätestens ab August, wenn ich dann wieder da bin, um das erste Projekt mit dem schönen Namen "EBAN" zum laufen zu bringen, gibts also einen neuen Blog. Den link dazu werde ich hier posten.

Ich freu mich dauf!!!

 

Achja: Boa Nnipa hat auch schon einen ersten kleinen clip. Check it out here: http://www.youtube.com/watch?v=bjMRwLdgrlk

15.10.2010

Ja, mittlerweile habe ich Ghana verlassen und weile wieder in Deutschland, Berlin, wo ich auch in nächster Zeit (zumindest für die Dauer meines jetzt beginnenden Bachelor Studiums) bleiben werde.

In meinen letzten Tagen in Ghana habe ich ja nicht mehr so viel von mir hören lassen, da ich mich mehr aufs Genießen, als aufs Berichten vom Genießen konzentrieren wollte. Ein bisschen Trägheit hat wohl auch mitgespielt. Aber, ich denke, ich bin Euch, meinen fleißigen BlogleserInnen, noch einen abschließenden Bericht schuldig.

Bei der Gelegenheit möchte ich Euch und besonders meiner Familie und meinen FreundInnen danken, die mich das Jahr hindurch unterstützt haben. Es war immer schön, Mails, Briefe und Anrufe aus Deutschland zu bekommen und auch das Feedback, das ich für meine Blogeinträge bekommen habe, sowie die immer weiter steigende BesucherInnenzahl am Rande meines Blogs, haben mich motiviert, doch fast regelmäßig meine Gedanken für euch aufzuschreiben. Ein großes Dankeschön natürlich auch an meine Eltern, die mir u.A. durch ihre organisatorische Unterstützung, was die Unibewerbungen angeht, einige Arbeit abgenommen haben!

Ansonsten kann ich natürlich niemandem so doll danken, wie den GhanaerInnen (ganz besonders Sammy und Ragna), die mein Jahr zu etwas ganz besonderem gemacht haben, das ich nie vergessen werde. (Schade, dass die meisten von ihnen diesen Blog nicht lesen können.)

Aber nu:                                                                                                          Meine ersten Tage hier waren, wie ihr euch wahrscheinlich denken könnt, noch etwas verwirrend und es wird wohl auch noch ein bisschen dauern, bis ich mich wieder ganz eingelebt habe.                                                                                 In Ghana habe ich wie schon erwähnt, versucht, die letzten Tage einfach nur zu genießen. Daher war ich noch einmal mit allen Kids aus Sammys Haus, Sammy und Francis in Kokrobite um das Ghanaische Meer und die Ghanaische Sonne zu genießen (die ich angesichts der eisigen Temperaturen hier sehr stark vermisse). Ich habe außerdem versucht, nochmal möglichst viel Zeit mit allen GhanaerInnen, die mir hier(ach nein dort) ans Herz gewachsen sind, zu verbringen.                      Auf dem Weg zur Trotrostation z.B. habe ich dann eben mal etwas länger bei meiner Freundin am Cornershop (kleine Läden wo man alles Nötige bekommt) gesessen und gequatscht. Ich habe viel mit den Nachbarskindern gespielt und Sammy (den ich ganz besonders vermisse) hat in seiner neuen Küche versucht, mir nochmal das Zubereiten einiger ghanaischer Gerichte beizubringen. 

Irgendwie waren die letzten Tage sehr seltsam. Ein unangenehm aufgeregtes Kribbeln im Bauch hat mich die ganz Zeit begleitet und während ich mir einerseits gewünscht habe, dass der Tag meines Abflugs nie kommen möge, habe ich mich auch danach gesehnt, dieses Kribbeln endlich loszuwerden und gegen die Freude Familie und Freunde wiederzusehen, einzutauschen.                                             Vor dem Tag meines Abflugs gab es allerdings nochmal einige Komplikationen, mit denen ich Euch nicht in voller Länge belasten möchte. Kurz zusammengefasst: Ghana International Airlines hat für mich schlauerweise nach London anstatt nach Düsseldorf gebucht, was mich im Endeffekt dann zu einer Umbuchung mit Egyptair bewegt hat, was mir dann allerdings einige Probleme mit meinem Gepäck beschert hat, da die Egyptair Gepäckgrenze über 20 Kilo unter dem Gewicht liegt, mit dem ich geplant hatte.                                                                                             Nachdem alle Komplikationen überstanden waren, hatte ich einen unschönen Flug von Accra nach Kairo und von dort direkt nach Berlin. Unschön deshalb, weil mir auf dem Flug das erste Mal wirklich klar wurde, dass mein Jahr Ghana damit vorbei ist. Davor erschien mir, ähnlich wie schon vor meinem Hinflug, die ganze Situation eher etwas surreal.                                                                                             In Kairo hatte ich dann wirklich meinen ersten kleinen Kulturschock rückwärts.     Der Flughafen in Kairo ist erstmal sehr groß und dann von Fressbuden gesäumt. Burgerking neben Sandwichladen neben McDonalds,... Zu unvorstellbaren Preisen. Als ich dann aus dem Flugzeugfenster Deutschland von oben erspähen konnte, hätte ich, wenn ich gekonnt hätte, wohl meine Sachen gepackt und wäre prompt zurück nach Ghana gelaufen. Die Ankunft am Flughafen war dann allerdings sehr schön, da meine Eltern und meine beiden besten Freundinnen mich dort in Empfang genommen haben. 

Jetzt bin ich schon seit einer Woche hier und es ist erschreckend, wie wenig sich alles verändert hat. Erschreckend ist auch, wie schnell man doch in den Alltagstrott hier wieder rein rutscht, was ich sogar nach einer Woche schon merke. Ich will jedoch versuchen, dass ich Dinge wie das Essen, warmes Wasser aus der Leitung und durchgängig Strom möglichst lange genießen und als Luxus und eben nicht als etwas Selbstverständliches betrachten kann. Ghana scheint sich viel zu schnell zu entfernen, was mich etwas traurig stimmt, aber andererseits weiß ich, dass ich die Erfahrung und die Menschen dort nie vergessen werde und dass es mich wohl auch unterbewusst sehr stark prägen wird.

Das Jahr ist, wie Ihr ja durch meine Berichte wisst, nicht ganz ohne Komplikationen verlaufen. Dennoch habe ich die Entscheidung nach Ghana zu gehen keine Sekunde lang bereut.

Von daher kann ich euch nur empfehlen es mir nach zu tun und euch in Ghana mit einem großen Haufen neuer Eindrücke und Erfahrungen zu bereichern. Wenn es nicht für einen längeren Zeitraum ist, kann ich Ghana auch als Ziel für Fernreisen-Liebende sehr empfehlen! Die GhanerInnen werden Euch ganz sicher mit offenen Armen empfangen.

Wichtig ist, dass man sich auf die Menschen und die andere Kultur einlässt, sich viel Zeit nimmt, die wunderschöne Natur zu genießen und sich drauf einstellt, dass man wesentlich mehr Geduld und Spontanität braucht als hier im durchgeplant pünktlichen Deutschland.

Ein kleiner Tipp für alle Volunteere: Probleme hat man eigentlich immer in irgendeiner Form. Leicht zu sagen, aber ich habe es selber gemerkt: Aus Problemen lernt man! Ich habe durch die Schwierigkeiten, die meine Organisation mir bereitet hat, sehr viel an Selbstständigkeit gelernt.Wichtig ist, dass Ihr eigene Ideen und viel Motivation mitbringt, um im Zweifelsfall eben auch was Eigenes auf die Beine zu stellen.

Macht euch bevor ihr los fliegt wirklich klar, worauf ihr euch einlasst: niedriger Lebensstandard, andere Kultur, Menschen, die sich anders verhalten, anderes Essen, ein Jahr indem ihr durchgängig auffallen werdet,... So ein Jahr ist mehr als ein schöner Urlaub am Strand mit gutem Wetter und netten Menschen!

Aber auch wenn einiges, besonders Anfangs, nicht ganz einfach erscheint, versucht euch möglichst viel auf die Menschen und die andere Kultur einzulassen. Gebt nicht zu schnell auf und lasst euch von der guten Laune der GhanaerInnen anstecken! Für eher Introvertierte Menschen, oder Leute, die Probleme damit haben, auch mal weniger luxuriös zu wohnen, als wir es hier, in Deutschland gewöhnt sind, ist so ein Jahr eher nichts! 

Letztendlich liegt es an Euch, was Ihr aus der Zeit in Ghana macht und wie viel Ihr mitnehmt. Egal ob als Volunteer oder nur als TouristIn.

Also nochmal, auch zum Wohle der Ghanaische Tourismusbranche: Packt die Koffer, sagt den Freunden „Bis bald!“ und macht euch auf nach Ghana, ein Land, das für mich ein zweites Zuhause geworden ist. Ein Land, in dem ich viele neue FreundInnen gefunden habe und in dem ich eine Zeit verbringen konnte, die mich in vielerlei Hinsicht bereichert und geprägt hat.

Ich bin mir ganz sicher, Ghana wird sagen:

Akwaaba! (Willkommen auf Twi)

13.09.2010

Heute sind es noch genau 10 Tage bis ich sagen muss: „Bye Bye Mama Ghana!“

In meinem Bauch fühle ich ein seltsames Kribbeln wenn ich an die Abreise denke. Das Kribbeln kenne ich schon von der Zeit kurz vor meiner Abreise nach Ghana. Nur dass es sich damals besser angefühlt hat. Natürlich freue ich mich sehr darauf, alle Leute in Deutschland wieder zu sehen und so viel Käse zu essen, wie ich will. Aber gleichzeitig wird es unheimlich schwer werden, alle meine FreundInnen, die ich hier in diesem Jahr gewonnen habe, zurück zu lassen. Bei meiner Abreise aus Deutschland konnte ich sagen: „Bis in einem Jahr!“

Jetzt weiß ich nicht, was ich den Leuten sagen soll, wenn sie mich fragen, wann ich denn wiederkomme. Und die Möglichkeit für sie, mich in Deutschland zu besuchen, ist in den meisten Fällen sehr begrenzt bis nicht existent. Circa 60% der ghanaischen BewerberInnen für deutsche Visa werden abgelehnt. Häufig ohne wirklichen Grund. (Was ziemlich blöde ist, weil es ganz sicher der Entwicklung Ghanas stark zugute kommen würde, wenn mehr GhanaerInnen die Möglichkeit hätten, mal aus Afrika raus zu kommen. Geichzeitig pumpt Deutschland Massen an Geld in  Entwicklungshilfe, die nicht entwickelt. Das macht Sinn...)

Auf jeden Fall werde ich auch die Freundlichkeit der GhanaerInnen und die gute Laune auf den Straßen vermissen! Von den VolunteerInnen, die schon wieder in Deutschland sind, habe ich gehört, dass einem der Unterschied in Deutschland richtig deutlich wird und man das Gefühl bekommt,  die Deutschen wären alle schlecht gelaunt, weil sie nicht die ganze Zeit lachen.

Die letzten Tage werde ich nicht mehr arbeiten. Am Wochenende haben wir das letzte Mal unterrichtet. Nicht in der Schule, sondern die Kinder aus der Nachbarschaft.

Leider lief das nicht ganz so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Wir haben Flyer gedruckt und verteilt. Fast alle Kids (viele kenne ich persönlich) haben mir versichert, dass sie kommen werden, so dass wir mit circa 100 Leuten gerechnet haben.

Wir haben Stühle und Zelte gemietet, ich habe Bonbons und Wasser für alle gekauft und Bleistifte angespitzt bis ich Blasen an den Fingern hatte.

Dann kamen 25 Kinder statt den gewünschten 100. Einige hatten mir eine Stunde vorher noch sehr überzeugend versprochen, vorbei zu schauen und sind dann nicht aufgetaucht.

Was habe ich also auf den letzten Metern noch gelernt?: Viele GhanaerInnen können nicht Nein sagen. Also ziehen sie es vor Ja zu sagen und dann das Versprechen nicht zu halten(was sie schon von Anfang an wussten). Dadurch  entgehen sie der Unannehmlichkeit abzusagen und müssen sich später nur eine einfache Ausrede einfallen lassen, warum sie nicht kommen konnten.

Bei uns kam der 1 minütige Regen natürlich genau richtig. Mehrere Male durfte ich mir später anhören: „Es hat geregnet und ich musste nach Hause und dann war es schon so spät“

Diese Verallgemeinerung klingt sehr hart aber diese Angewohnheit ist mir schon des öfteren Aufgefallen und auch von GhanaerInnen selber bestätigt worden.

Das Unterrichten lief ansonsten aber sehr gut, durch die kleine Größe der Gruppe, war die Atmosphäre sehr entspannt und den Kids, die da waren, scheint es gut gefallen zu haben. Gestern kamen 3 der Mädchen, die dabei waren zu meinem Haus um nach meiner Telefonnummer zu fragen und um sich mit mir zu verabreden. :p 

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Am Sonntag bin ich, auch um meine letzte Lehreinheit zu feiern, mit ein paar FreundInnen (Evelyn, ihr Bruder Kevin, seine Tochter Salassi, Sammy und Francis) an den Strand gefahren. Ein  sehr schöner Tag! Salassi hat zum ersten mal in ihrem Leben das Meer von nahem gesehen.Sie hat auch darin gebadet, bzw. sich durch tragen lassen(danach taten mir die Arme und die Ohren von ihrem Freudengeschrei weh).

Außerdem haben die Jungs Fußball, ich ein bisschen Volleyball gespielt und wir sind geritten. Vor einiger Zeit habe ich Sale kennengelernt. Sale ist ein älterer Herr, der ein  Pferd besitzt und sein Geld verdient, indem er die Leute am Strand auf diesem Pferd reiten lässt. Immer wenn ich nach Kokrobite komme, darf ich sein Pferd reiten und verdiene im Gegenzug ein bisschen Geld für ihn., ,  

Der Tag ist irre schnell vergangen und am Schluss sind wir vollgesandet müde aber sehr glücklich nach Hause gefahren. Salassi hat es auf der Rückfahrt sogar geschafft, für 30 min nicht zu reden. Das toppt ihren bisherigen Rekord von 3 Minuten(Sie besteht darauf, dass ich das in Deustchland erzähle)

 

So, jetzt werde ich mal weiter meine letzte Zeit genießen und kann euch nurnoch sagen:

BIS BALD!

 

07.09.2010

Meine letzten Wochen laufen und eigentlich habe ich mir vorgenommen, nochmal möglichst viel zu unternehmen, von Ghana zu sehen und zu genießen.

Stattdessen ist mir meistens eher zum „Nichts Tun“ zu mute und ich habe gar nicht so viel Lust zum ausgehen und viele Dinge erleben. Irgendwie ist es aber auch legitim, wenn ich nochmal richtig entspanne, denn in Deutschland geht es ja fast sofort mit dem Studium los.

-Für alle die es interessiert: Ich habe meinen Wunschstudienplatz für Politik am Otto Suhr Institut bekommen.

Außerdem kann ich ja auch in meiner Area mit meinen FreundInnen, netten NachbarbarInnen und unzähligen Kindern nochmal richtig genießen.

(Wie zum Beispiel beim Fotoshooting mit Selassi, meiner 4jährigen, frechen Nachbarin)

 

Wie dann doch meistens, konnte ich mich auch dieses Wochenende wieder aufraffen, um einen schon seit langem geplanten Ausflug in die Easternregion, nach Koforidua, zu machen.

Am Freitag sind Sammy und ich spät Abends losgefahren, was taktisch eher unklug war, denn dadurch sind wir mitten in den Feierabendverkehr geraten, was in Accra sehr verheerende Folgen haben kann. In unserem Fall war die Suche nach einem freien Trotro ein kleiner Kampf und so mussten wir dreimal das Trotro wechseln um zur Station zu kommen, von der die Trotros nach Koforidua fahren. Alleine für diese Fahrt haben wir über eine Stunde gebraucht. Danach ging es allerdings schnell, so dass wir nicht all zu spät am Ziel ankamen. Die Anfahrt war sehr kurvenreich, da das Trotro die Koforidua Mountains erklimmen musste. Hier in Ghana wird es immer sehr früh dunkel, so dass wir das große Lichtermeer Accras bewundern konnten.

Um die Übernachtungskosten zu sparen, haben wir bei Freunden von Sammy übernachtet. Da seine Wohnung nur aus einem Raum besteht, und seinen Freunden noch nicht nach schlafen zumute war, haben wir noch ein wenig Ghanas zweite Lieblingssportart geguckt: Wrestling

Irgendwann, kurz nachdem Ray Misterio seinen Gegner mit einer Leiter verhauen hat, bin ich dann wohl eingeschlafen. Zumindest weiß ich nicht, wer gewonnen hat.

Am nächsten Morgen ging es früh los.

Zum Frühstück gab es Wakye: Bohnenreis mit Spagetti, Salat und Tomatensoße.

Gestärkt, und zwar richtig gestärkt, sind wir zu den Boti Falls gefahren. Die Boti Falls sind nach den Wlii Waterfalls, die ich auch schon bestaunen durfte, die zweitgrößten Ghanas.

Nach 250 Stufen erblickt man die die beiden Wasserfälle. Es gibt einen weiblichen, welche, ganz wie es sich gehört, auch der größere ist,

und einen männlichen Wasserfall.

In der Regenzeit kommen sich die beiden nebeneinander liegenden Wasserfälle immer näher, bis sie sich schließlich zu einem Vereinen.

Da die Regenzeit hier seit ungefähr einem Monat vorbei ist, durften wir die beiden Wasserfälle getrennt betrachten.

Unser Führer, Frank, hat uns die Geschichte der Namensgebung der Botifalls erzählt:

Niiteytey, ein ghanaischer Jäger war der Erste, der die Wasserfälle entdeckte. Er lud einen europäischer Pastor ein, sich die Wasserfälle anzuschauen. Der Pastor fragte Niiteytey, wo denn das Wasser herkomme. From „boanitio“,  (so ungefähr würde ich es aussprechen) „head of the mountain“ wurde ihm als Antwort gegeben. Der Pastor hatte verständlicherweise seine Schwierigkeiten, das auszusprechen und schlug Niiteytey vor, die Wasserfälle „Botifalls“ zu nennen.

Ich kann mir vorstellen, dass Niiteytey genauso gastfreundlich war, wie die meisten GhanaerInnen und dass er dem Pastor gerne die, wenn auch irrtümliche, Namensgebung überlassen hat.

Von den Wasserfällen haben wir uns gemeinsam mit Frank zu einer kleinen Wanderung aufgemacht. Das nächste Ziel: die Boticaves (cave=Höhle)

Auf den kleinen Bergen über den Höhlen ist ein kleines Dorf gebaut. Früher wurden die Löcher in den Wänden der Höhlen von den DorfbewohnerInnen zum Aufbewahren ihrer Wertsachen genutzt. Woher die Löcher allerdings kommen, weiß niemand.

Von den Höhlen ging es weiter zum Umbrellastone. Wie der Name schon sagt, handelt es sich dabei um einen großen Stein, der aussieht wie ein Regenschirm. Für 50 Pesewas (30 Cent) kann man den Stein auch besteigen und hat so eine sehr schöne Sicht auf die grüne Umgebung und die Strecke der ungefähr 1,1/2 Stündigen Tour, die man bis dahin zurückgelegt hat.

Nach dem Umbrellastone ging es weiter zum letzten Punkt unseres kleinen Ausflugs:

Die dreiköpfige Palme. In mitten einer kleinen Siedlung steht eine 90 jahre alte  Palme mit einem Stamm, der sich allerdings in drei aufteilt und so drei Kronen hat.

Die  Palme wurde von niemandem gepflanzt und ist genau wie die Löcher in den Wänden der Hölen und die Entstehung der Form des Umbrellastones ein Rätsel und für die GhanaerInnen ein Wunder Gottes.

Vor der Palme findet man einen Stein mit seltsamen Muster. Frank hat uns erklärt, dass der Stein magische Kräfte hat und man Zwillinge bekommt, wenn man sich darauf setzt. Jedes der Vier Quadrate des Steins haben eine Beduetung. Das eine stellt die geschwollene Brust der schwangeren Frau dar, das daneben liegende die zurückgegangene Brust. Darunter liegt ein großes Quadrat, dass den Penis des Mannes und ein kleineres Quadrat, dass die Vagina der Frau darstellt. Ein für unser Sexual Education  Projekt sehr interessanter Stein. ;)

Auch bei diesem Stein wird vermutet, dass Gottes Hand im Spiel war, wobei er natürlich auch von den damaligen Bewohnern der Siedlung kommen könnte.

Ich habe darauf verzichtet, mich auf den Stein zu setzen, denn ich überlasse es lieber dem Zufall als einem Stein, ob ich Zwillinge bekomme oder nicht.

Die Tour hat insgesamt ungefähr 2,1/2 Stunden gedauert und war wirklich sehr gut geeignet, um sich von Accra zu erholen und gleich mehrere Wunder der Natur/Gottes in einem Zug zu bewundern.

Am selben Tag haben wir uns wieder auf den Weg nach Accra gemacht, was uns wie schon bei der Hinfahrt  Schwierigkeiten gebracht hat. An der Trotrostation nach Accra hat uns eine Schlange mit mehr als 100 Menschen erwartet, die allesamt nach Accra wollten. Ein Trotro fasst ungefähr 15 Menschen, so dass wir für ca. 7 Trotros hätten warten müssen. Zum Glück kamen die Trotros relativ häufig, so dass  die Situation nicht mehr so schlimm aussah. Dann machte uns allerdings Mutter Natur und die ghanaische Korruption einen Schnitt in die Rechnung. Es fing an zu regnen und die meisten verschwanden aus der Schlange um sich unter zu stellen. Einige nutzten die Chance und versuchten nach dem Regen einige Plätze weiter vorne einzufordern. Vollkommen überzeugt, dass sie dort gestanden haben und total empört darüber, dass ihnen der angeforderte Platz nicht gewährt wurde. Zu allem Überfluss gab es einige GhanaerInnen, die schlau/unfair? Genug waren, einem der Ticketverkäufer etwas mehr Geld anzubieten um in der Schlangte ganz nach vorne zu rutschen. So kam es, dass einige Trotros abfuhren und die Schlange nur 2-3 Menschen nach vorne rückte. Nach  fast 3 stündigem Warten, dass mich mehr geschafft hat als die Botiwanderung, haben dann auch wir einen Troto zurück nach Accra bekommen, so dass ich erschöpft aber sehr mit Eindrücken bereichert in mein Bett fallen konnte.

 

24.08.2010

Lange war hier Sendepause und ich bin mir meiner Schuld durchaus bewusst. Irgendwie scheint meine Motivation zu Schreiben auf den letzten Metern zu versiegen.

                                                              Wahrscheinlich weil ich mir denke, dass ich den Meisten bald auch Alles mündlich in ganzer Breite erzählen kann. Dennoch habe ich mich aufgerafft und wiedermal einen kleinen Blogeintrag verfasst um euch auf den neuesten Stand der Ereignisse hier in Ghana zu bringen:

Mein letzter Monat hat begonnen und meine immer näher rückende Abreise wird mir vor allem deutlich, da alle Volunteere, mit denen ich hier Bekanntschaft gemacht habe, schon weg sind oder sich diese Woche auf den Weg machen. Nur Carla Adjoa bleibt zurück...    Tatsächlich habe ich noch kein Rückflugticket, was daran liegt, dass Ghana Airlines, meine Fluggesellschaft pleite gemacht hat. Ich muss also im September nochmal in das Buero fahren und mir wurde versprochen, dass mir dann der Termin meines Ersatzrückfluges gegeben wird. Mein ursprüngliches Abflugdatum war der 25.September und ich würde mir wünschen, dass sich das Datum nicht all zu sehr verschiebt, damit ihr mich dann auch pünktlich wieder in Deutschland habt.

Da die Schulen hier gerade noch Sommerferien haben, kann ich meine letzte Zeit sehr gut genießen, noch ein bisschen rumreisen und mir noch unbekannte Ecken Ghanas erkunden.

Vor ein paar Wochen war auch mein Papa zu Besuch (Links im Bild ;-) ).

Nachdem ich ihm Cape Coast und Elmina, ein wunderschönes kleines Fischerstädtchen in der Central Region, gezeigt habe, sind wir weitergefahren nach Busua, der Ort mit dem schönsten Strand Ghanas. Wir hatten Glück, dass keine Saison war, denn so hatten wir den Strand meistens, neben ein paar Fußball spielenden ghanaischen Kindern, ganz für uns.

Da uns der Strandurlaub schnell langweilig wurde, haben wir uns auch die Dörfer in der Umgebung angeguckt und sind dann pünktlich zu meinem Geburtstag wieder zurück nach Accra gefahren. Zum Reinfeiern sind wir in die Osekan Bar am Meer gegangen und wurden netterweise allesamt von der Polizei persönlich nach Hause gefahren. Nach einer wilden Fahrt auf der Ladefläche gab es für mich noch eine kalte Dusche. Allerdings mit Klamotten und allem drum und dran, denn das ist so Tradition wurde mir erklärt.

Meinen GeburtsTAG haben wir in Kokrobite am Strand verbracht, wo Papa erstaunlicherweise nicht von Krokos gebissen wurde. (hahaha)

Mit Sammy und Papa bin ich etwas später  nach Ada-Foah gefahren. Ada-Foah liegt in Central Accra im Mündungsgebiet vom Voltasee in den Atlantik. Dort sind wir mit dem Boot ein bisschen auf der Lagune rumgefahren, und haben Charlie den Affen kennengelernt, der dem Deutsch-Ghanaischen Eheaar gehört, die auch das kleine Öko-Resort leiten, in dem wir übernachtet haben.

 

Nach  Papas Abreise hatte wurde ich ein wenig krank, weil ich wohl was sehr falsches gegessen habe. Komisch dass mir das ausgerechnet passiert, wenn ich mit ihm unterwegs bin und so in Restaurants esse, die sicher um einiges höhere hygienische Vorschriften haben als die Chopbars in Kwashieman.

Ich habe mich allerdings schnell wieder erholt und konnte mich so kurz danach mit meiner Freundin Nicola treffen, mit der ich in Deutschland Volleyball gespielt habe und die ihr Weltwärtsjahr in Benin absolviert hat. Zusammen mit ihrem Beniner Freund und zwei weiteren Volunteeren wollte sie einen Eindruck von Ghana bekommen, so dass ich schon wieder ein wenig Fremdenführerin spielen durfte. In der kurzen Zeit, in der sie in Ghana waren sind 3 der 4 Reisenden an Malaria erkrankt, was mir nochmal klar gemacht hab, was für ein Glück ich habe, davon bis jetzt verschont geblieben zu sein. (Ich hoffe das bleibt den letzten Monat durch auch noch so)

Vor zwei Tagen bin ich mit Sammy nach Oda in der Easternregion gefahren wo sein Onkel Daniel eine große Farm besitzt die wir uns angucken wollten.

Daniel hat 25 Jahre in einem kleinen Dorf bei Köln gewohnt und es ist sehr interessant zu hören, wie es ihm damals ging, als er zum studieren das erste mal nach Deutschland gegangen ist. Wir haben bei ihm zu Hause übernachtet und zumindest was die Gastfreundschaft angeht, ist er noch sehr ghanaisch. Wir hatten vergessen nochmal anzurufen um uns anzukündigen, so dass nur für eine Person gekocht war. Das wenige Essen das da war, wurde dann aber auch Brüder-und Schwesterlich geteilt.

 Am Sonntag sind wir alle zusammen zu seiner 56 Hektar großen Farm gefahren wo er vor allem Palmnuttrees anbaut. Aus den Palmenkernen(/-nüssen) kann Öl Seife oder die traditionelle Abekwan, Palmkernsuppe hergestellt werden. Abekwan wird zusammen mit dem Nationalgericht Fufu oder mit Omotuo(Reisbälle) gegessen.

Daniel hat uns die Unterschiede zwischen seiner Farm und der der anderen DorfbewohnerInnen gezeigt, die ihren Teil meist aus Unwissen nicht richtig pflegen und so schlechte Ernten erzielen. Die Palmnuttrees müssen regelmäßig beschnitten werden damit sie am Schluss viele Kerne tragen. Außerdem sollte die Umgebung möglichst von allen anderen Pflanzen entfernt werden, die dem Boden wichtige Mineralien entziehen. In dem Punkt muss auch auf Daniels Farm noch einiges getan werden, so dass es eine zum Teil Recht abenteuerliche Tour wurde, in der uns Gabriel, ein junger Mann aus dem Nachbardorf, mit der Machete einen Weg durch das Gestrüpp schlagen musste.

Gabriel und Equia, ein Pärchen nicht viel älter als ich, kümmern sich gemeinsam für Daniel um die Farm. Sie wohnen ganz wunderbar idyllisch mit ihrem 1jährigen Sohn Yaw in einem kleinen Holzhaus mit Hundehütte und Hundebabys mitten in der Natur. Das meiste Essen wächst ihnen quasi in die Küche hinein, denn neben der Palmnuttrees wachsen auch Cassavapflanzen(eine Kartoffel ähnliche Knolle deren Blätter Spinat sehr ähnlich sind), Ingwer, ein bisschen hiervon, ein bisschen davon und vor allem auch : Orangen!

Wir, Sammy, Daniel, Gabriel, Equia, die Yaw auf dem Rücken hatte und ich, sind also zu den Orangenbäumen gewandert, wo Gabriel für uns geschwind von einem Baum zum anderen geklettert ist und uns die besten Orangen vom Baum gepflückt hat. Die besten Orangen die ich je gegessen habe und eindeutig auch die frischesten! Am Schluss wurde die gesamte Ernte an Palmenkernen, Cassava und Orangen von uns, natürlich auf dem Kopf zurück getragen. Insgesamt wirklich ein sehr schöner Ausflug!

Weniger schön und unromantisch ist allerdings der Gedanke daran, dass die gesamte Fläche, genau wie alle umliegenden Farmen, früher Regenwaldgebiet waren, die zur Landwirtschaft abgeholzt wurden. Ghana besitzt eine wunderschöne Vegetation und das wenige Stück Regenwald, das noch übrig geblieben ist, ist einfach beeindruckend. Doch auch das schwindet dahin. Hier bekommt man das Zusammentreffen zweier großer Probleme von heute sehr gut vorgeführt: Den massiven Schwund an Naturräumen und der u.a. daraus resultierende Klimawandel sowie der massiv ansteigende Bedarf an Nahrungsmitteln aufgrund der steigenden Weltbevölkerung. Letzteres kann man hier schon sehen, wenn man nur auf die Straße geht. Kinder, Kinder Kinder. Die GhanerInnen lieben Kinder und wenn man die Jugendlichen in meinem Alter fragt, ob sie später selber welche haben wollen, wird es schwer sein, welche zu finden, die nein sagen. In Deutschland eine ganz andere Sache. Deutsche sterben aus!

Also was ist die Schlussfolgerung?

GhanaerInnen nach Deutschland! Na, wie wärs? Da schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe!

Deshalb hiermit meine Aufforderung an die deutsche Regierung: Lasst die übertriebenen Einreisefortschriften sein! (über 50% der Ghanaischen BewerberInnen werden abgelehnt) Es ist nur zu eurem Besten!

29.06.2010

Natürlich mache ich mir auch immer wieder Gedanken darüber, wie meine Blogartikel und Fotos so in Deutschland aufgenommen werden und wie sie so wirken, wenn man das alles hier nie mit eigenen Augen gesehen hat.

Nach diesem Jahr fühle ich mich nämlich auch durchaus mit dafür verantwortlich die „Welt“ (Welt ist wahrscheinlich etwas weit gedacht, aber zumindest die Menschen um mich herum, die mir zuhören wollen)  besser über das Ghana, wie ich es hautnah erlebt habe, zu informieren und das häufig falsche allgemeine Afrika Bild, das meist durch Unwissenheit erzeugt wird, zu revidieren.

Häufig habe ich mich in meinen Blogartikeln über einige ghanaische Probleme wie die Müllverschmutzung, die Schulen, die Korruption, die nicht vorhandene Privatsphäre..., beschwert ohne darüber nachzudenken, dass das in Deutschland vielleicht ein falsches Bild von Ghana und von meiner Situation herstellen könnte.

Auch bei meinen Fotos ist mir noch mal aufgefallen, dass sie vielleicht das zum Teil falsche „Afrika Bild“ nur verstärken, weil sie meist  nur eine Seite Ghanas zeigen. (Die ja auch von den Medien nur zu gerne gesucht wird, nach dem Motto „Wo finden wir das dreckigste Kind mit dem größten Blähbauch in der ranzigsten Blechhütte?“)

Ja, die Kinder spielen hier im Dreck Fußball und bauen aus Müll Spielzeug.

Vielleicht erzähle ich aber nicht genug von Dingen wie der Accra Mall, dem riesen Fußballstadion, dem Nationaltheater oder dem Tantra oder dem Duplex oder einem anderen der unzähligen Bars und Discos hier in Accra.

Die gibt’s nämlich auch. In Ghana hat außerdem fast jede Familie einen Fernseher und die etwas besser verdienenden auch mindestens ein Handy. Meist mehr!

In ihrer Freizeit machen die jungen GhanaerInnen ähnliche Sachen wie wir auch. Sie treffen sich mit Freunden zum Entspannen, abends ausgehen, Fußball/Filme (wenn auch meist sehr schlechte) gucken oder selber Sport machen. Wer Angst hat, auf einer Reise nach Ghana nicht überleben zu können, weil er oder sie irgendein wichtiges Utensil/Nutzgegenstand der westlichen Welt hier nicht bekommen kann, hat sich getäuscht und muss nur mal einen Abstecher in die Accra Mall machen. Ein Einkaufszentrum wie bei uns. Mit riesigem Shopride Supermarkt wo man einfach ALLES bekommt. Dafür auch zu europäischen Preisen und teurer. Aber wer sich einen Käse für 7 Cedi (3,50 Euro) leisten kann...

(Wenn ich hier eine befriedigende Mahlzeit zu mir nehme, kostet es mich normalerweise ungefähr 1 Cedi)

Dort kann man auch in einem kleinen Kaffee richtigen Kaffee trinken oder nebenan Pizza oder Burger oder Döner essen. Wenn man etwas hier wirklich will, kann man es bekommen!

Es gibt heute in den „Westlichen Ländern“ immer noch genug Leute, die Afrika als eine große Masse sehen und denken, die Menschen hier würden noch auf Bäumen rumhüpfen und Bananen essen. (Ich habe sogar von Volunteeren gehört, die dachten, dass sie hier Giraffen und Elefanten auf der Strasse begegnen werden.)

Bananen essen sie wirklich gerne, die GhanaerInnen. Die sind hier aber auch besonders gut!

Auch gibt es alleine in Ghana unzählige verschiedene Tribes mit unheimlich vielen unterschiedlichen Sprachen und die Unterschiede zwischen Südafrika und Ghana sind wahrscheinlich zum Teil größer als die zwischen Südafrika und Teilen Europas. Afrika verfügt über eine riesige Anzahl an unterschiedlichen Kulturen, Lebensweisen, Sprachen und auch was den Entwicklungsstand angeht, macht es einen riesigen Unterschied, ob man über Ghana oder den Kongo redet.

Was ich einfach sagen möchte: Ich hoffe sehr stark, dass meine häufig mit viel Ironie  geschriebenen Artikel nicht falsch aufgenommen werden. Für mich, die das alles ja mit eigenen Augen gesehen hat, kann das was ich schreibe ja sehr lustig klingen, während es für Menschen, die es selber nicht miterlebt haben, eher schockierend und abschreckend wirkt.

Deshalb auch folgende Anregung: Bei Fragen zu meinen Artikeln nicht schüchtern sein, sondern einfach nachfragen und ganz besonders: Am besten ist es doch immer noch, wenn man es mit eigenen Augen sieht! Von daher: Auf geht’s nach Ghana und selber erleben! Es lohnt sich auf jeden Fall und hier wird man immer mit offenen Armen empfangen!

 

29.06.2010

„We'll meet again in the final and then we'll score you 3:0!“ Ja, die Ghanaer sind wirklich sehr optimistisch, wenn es um Fußball geht!

Und wenn sie wirklich so weit kommen sollten, wird für mich die Endscheidung echt schwer, wen ich unterstützen soll. Irgendwie wär das ja schon cool, wenn ein afrikanisches Team gewinnen würde und „wir“ sind ja jetzt  nunmal DIE Hoffnung Afrikas. :)

Aber da müssen wir wohl erstmal an Uruguay und dann Holland oder Brazilien vorbei und das wird nicht leicht... Und ob Deutschland es soweit schafft, ist ja auch noch nicht sicher.

Aber was erzähl ich euch das. Fußballnews wollt ihr hier ja wahrscheinlich eher weniger lesen.

Wobei der kleine schwarzweiße Ball und die 20 Männer,die ihm fanatisch hinterher rennen, hier in Ghana, dem Land des Fußballs gerade natürlich eine besonders große Rolle spielen.

Überall werden Massen an Fanartikeln verkauft und an jedem kleinen Cornershop (Laden zum Einkaufen von Grundlebensmitteln) laufen ununterbrochen irgendwelche Fußballübertragungen anstelle der üblichen schlechten südamerikanischen Soapoperas in den kleinen Eckfernsehen.

Nach dem Spiel gegen die USA lief hier eine große Party. Überall wurde laut Musik gespielt und auf den Straßen wurde getanzt.

Leider konnte ich an der Party nur begrenzt teilhaben, da ich derzeit etwas krank bin.

Erst vermutete ich Malaria, weil die Symptome passten. Also ging es ab ins Krankenhaus, wo sie mir auch gleich, ohne irgendwelche vorhergegangenen Tests, Malariamedikamente verschreiben wollten, was mir dann wiederum etwas zu schnell ging. Doch auch der danach durchgeführte Bluttest ergab: Malaria

Nach 4 Tagen Medikamente Schlucken ging es mir dann auch wirklich einiges besser. Nur der Schnupfen, der die Malaria auch angekündigt hatte, war noch da.

Und es kam, wie es kommen musste. Nach einem unbeschwerten Wochenende und einem unbeschwerten Montag war ich wieder krank. Diesmal traf ich die richtige Entscheidung und bin nicht in eines der ghanaischen Krankenhäuser, sondern in die Klinik der Deutschen Botschaft gegangen. Dort wurde mein Blut erneut getestet, was ergab, dass ich keine Malaria habe und nie hatte!

Das bedeutet nicht, dass die Ärzte des ghanischen Krankenhauses nicht gut sind, nur verfügen die meisten Krankenhäuser hier meist nur über schlechte Mittel um die nötigen Tests durchzuführen, was zu falschen Ergebnissen führen kann, wie bei mir.

Genauso fehlen übrigens häufig auch die Mittel für genug Krankenzimmer, -betten und genug Ärzte. In dem (für hiesige Verhältnisse sehr gutem) Krankenhaus in dem ich war, habe ich zum Glück niemanden sterben sehen, dennoch standen im Flur zum Wartezimmer zwei belegte Krankenbetten nur durch eine mobile Trennwand vor Neugierigen Blicken geschützt.

Die Politiker mit ihren schicken Autos lassen sich eh von ihren ausländischen Privatärzten behandeln.

Das größte Problem Afrikas zeigt sich auch hier wieder sehr gut: Die Korruption und Geldsucht der Politiker verhindert eine schnelle Entwicklung in den Bereichen, in denen es am dringendsten Nötig ist: (u.a.) Bildung und Gesundheit.

Ghana kann wahrscheinlich in beiden Punkten für viele afrikanische Länder ein Vorbild sein und dennoch: In diesen Bereichen muss noch viel getan werden. Eine Art Krankenwagen anschaffen (nach 7 Monaten kam ich mal auf die Idee, mich nach der Notrufnummer für die Ambulanz zu erkundigen, um zu erfahren, dass es keine gibt und man sich im Notfall mit dem Taxi ins Krankenhaus einliefern muss) und ein Lehrergehalt über 60€ im Monat wären zwei kleine Vorschläge.

Dieser Absatz soll auf keinen Fall arrogant klingen. Natürlich ist das alles nicht so einfach wie es klingt und hinter den Problemen steckt noch viel mehr. (Zum Beisiel die sogenannte „zweite Kolonialzeit“. Die großen westlichen Monopolbetriebe beherrschen vollkommen den Afrikanischen Markt und lassen kaum Spielraum für lokale Betriebsentwicklungen.)

Auch kann ich das alles noch lange überhaupt nicht in seiner Komplexität überschauen und dennoch ärgert es einen immer wieder, wenn man die Probleme des Landes direkt vorgeführt bekommt und  danach die GhanaerInnen sich über die neuesten Privatausgaben der ghanaischen Politiker unterhalten hört.

Achje, bevor ich es vergesse. Vielleicht wollt ihr ja auch wissen, was ich denn eigentlich hatte bzw. immer noch habe. Der nette Arzt der deutschen Botschaft, der mich nach einer kurzen Wartezeit in dem richtig deutschen Wartezimmer (mit deutschen Zeitschriften - Bunte, Lisa, Brigitte, Glamour, GQ und sogar Geo- und Spielzeug für die kleinen Patienten) empfangen hat, konnte mir mitteilen, dass ich lediglich eine langweile, nur etwas unangenehme, Lymphknotenentzündung, aufgrund einer bakteriellen Infektion habe. Ich schlucke jetzt also eine große Ladung an Medikamenten wie Antibiotika, ViaminC Tabletten, Multivitaminkapseln und irgendwelche kleinen roten Pillen, die die Schwellung meiner Lymphknoten schnell zurückgehen lassen sollen. Zusätzlich darf ich dreimal am Tag eine eklige Mundspülung benutzen, damit die Endzündung in meinem Mund weggeht.

Letzteres mache ich allerdings wirklich gerne, da die letzten Tage durch die genannte Endzündung besonders zur Essenszeit sehr schmerzhaft sein konnten und ich mich hauptsächlich von Suppe und gematschten Bananen ernährt habe.

Genug der Details über meinen kleinen Krankheitsanfall.

Wichtig ist nur zu wissen: Ich befinde mich eindeutig auf dem Weg der Besserung! Physisch sowie psychisch.

Denn auch meine Nerven waren in den letzten Tagen etwas strapaziert, in denen ich nicht mit den GhanaerInnen laut schreiend auf den Straßen rumhüpfen konnte und mich freuen, wie ich es gerne gemacht hätte, sondern stattdessen zu Hause meinen Tee schlürfen und „alleine“ meine Bücher und eine Dr.House Folge nach der anderen verschlingen musste/durfte. (Alleine-Sein werde ich jetzt, wo Ragna wieder in Deutschland ist wohl oder übel lernen müssen.)

Ab morgen werde ich wohl wieder arbeiten und beim Feiern nach dem Spiel gegen Uruguay am Freitag bin ich dann auch wieder dabei. Also drückt die Daumen, dass es auch was zu feiern gibt!

 

05.06.2010

Für alle, die schon unheimlich gespannt auf die, in meinem letzten Blogeintrag angekündigte Erzählung, zu meinem Ausflug nach Nzulezo warten: Das Warten hat ein Ende, denn hier ist sie! :

 

In Takoradi, der Hauptstadt der Westernregion haben Ragna und ich uns mit Sammy und Francis getroffen, um von da weiter zu fahren in das kleine Dorf Esiama von wo aus es weiter gehen sollte nach Nzulezo, das Dorf auf dem Wasser.

Da hier unten in Ghana gerade die Regenzeit angefangen hat, wurden unsere Pläne ein wenig durchkreuzt. In der Regenzeit merkt man den Regen durch starke Winde und dunkle Wolken am Himmel meist bevor er kommt. Manchmal ist es dann aber trotzdem schon zu spät. Wenn es regnet passiert gar nichts mehr. Die Kinder gehen nicht zur Schule, die Eltern nicht zur Arbeit, alle Marktstände werden abgebaut und kurz vorher entsteht immer ein großes Gewusel, weil jedeR möglichst schnell ins Trockene will. „Obruni Obruni, yen coo fie! The rain is coming!“ „Weiße Weiße, lass nach Hause gehen! Der regen kommt!“

Wir hatten in Takoradi allerdings nicht die Möglichkeit nach hause zu gehen und so standen wir eben eine Stunde ungemütlich frierend unter einer Markise und haben auf Sonnenschein gewartet.

Wenn es hier Regnet, dann aber richtig! Hinzu kam, dass Sammys Zeitplanung sehr ghanaisch war und wir statt 1er Stunde nach Nzulezo gut 2 Stunden alleine nach Esiama gebraucht haben, so dass es letztendlich zu spät war, um nach Nzulenzo selber weiter zu fahren.

Esiama ist ein sehr kleines Dörfchen in das anscheinend sehr selten Touristen kommen. Zumindest waren wir als Weiße noch mehr Attraktion als sonst. Da es schon dunkel war, als wir ankamen, konnten wir die wunderschöne Umgebung des Dorfes erst am nächsten Morgen richtig würdigen.

Am Ankunftsabend war unsere größte Sorge erstmal eine Unterkunft zu finden. Gesorgt haben sich eigentlich nur Ragna und ich und diese Sorge war auch noch unbegründet, denn wir sind nunmal in Ghana und die GhanaerInnen sind eines auf jeden Fall: Gastfreundlich!

So wurden wir von Ata, den Sammy im Trotro von Takoradi nach Esiama kennen gelernt hat, zu ihm nach Hause eingeladen.

Dort wurde die Matratze aus dem Ehebett ins Wohnzimmer gebracht und alle Sessel zusammen geschoben, damit wir uns auch ja wohl fühlen.

Ata und seine Frau haben mit ihrem Baby auf dem Lattenrost geschlafen. Ragna und mir war es etwas unangenehm, dass wir den beiden ihren Schlafplatz weggenommen haben und wollten ihnen am Schluss wenigstens etwas Geld geben. Sammy hat uns erklärt, dass es für die beiden eine Ehre ist uns zu beherrbergen und es eine Beleidigung wäre, wenn wir ihnen dafür Geld in die Hand drücken würden. Ganz wohl haben wir uns allerdings trotzdem nicht gefühlt und nochmal ganz stark das „Wir sind in Ghana Feeling“ bekommen. Hier lernt man andauernd, dass es so häufig doch  nicht nur Schwarz und Weiß (haha das ist ja voll doppeldeutig) bzw. richtig und falsch gibt.

Da wir sehr erschöpft waren sind wir nur noch schnell in die Dorfchopbar gegangen, um Fufu mit Groundnutsoup zu essen. Nicht nur da wurde viel getuschelt, weil Obrunis im Dorf sind, sondern auch als wir dann endlich schlafen gehen wollten konnten wir durch unser Fenster noch viele neugierige schwarze Augen gucken sehen.

Am nächsten Morgen wollten wir früh los, haben aber vorher nochmal kurz die wunderschöne Landschaft, in der das Dorf gebaut ist, genossen.

Esiama liegt direkt am Meer. Der Strand ist voll mit bunt angemalten großen Holzfischerbooten und Netzen. Wir konnten einer Gruppe junger Fischer zusehen, wie sie ihr Netz eingezogen haben. Große Beute haben sie allerdings nicht machen können aber trotzdem danach sehr stolz mit ihrem einzigen Fang, einem kleinen Rochen, vor meiner Kamera posiert.

 Geht man den Strand Esiamas etwas runter kommt man zu einer kleinen Flussmündung, die direkt neben dem Meer liegt und von Palmen umgeben ist. Bei gutem Wetter bestimmt noch viel schöner.

Schnell ging es dann endlich auf einer typisch ghanaischen Hubbelstrecke weiter nach Nzulezo.

Der Anfang des Dorfes liegt noch auf dem „Festland“ und man muss kurz warten, bis ein „Fährmann“ kommt und mit einem in eines der großen Holzkanus steigt um auf dem Fluss los zu staksen. Denn zumindest im ersten Teil der Strecke ist das Wasser sehr flach, so dass nicht gepaddelt wird sondern eben gestakst.

Der Fluss ist sehr schmal und von hohem Seegras und Palmen umgeben. Um einen herum sieht man nur grün während wir wenn wir nach oben geguckt haben; einen grauen Himmel mit dunklen Wolken erblicken konnten, die schon wieder das nächste Unwetter ankündigten. Das Wasser hat die Farbe von Cola, was von den Wurzeln der Bäume kommt, wie uns der Fährmann erklärt hat.

Der Fluss mündet in einen See, der von Palmen und „Flowing Grass“ umgeben ist. Das „Flowing Grass“ ist Seegras mit sehr kurzen Wurzeln, dass vom Wind leicht von einer Stelle des Sees zur anderen bewegt werden kann.

Ab und zu trifft man auf die Bewohner Nzulezos (ich weiß nicht genau, ob man sie Nzulesen oder Nzulezoaner oder sonst wie nennt) die mit ihren Booten zum Festland fahren um ein- und zu verkaufen. Nach einer Stunde sind wir zum Glück relativ trocken in Nzulezo angekommen. Die knapp 60 Holzhäuser sind auf hohen Holzpfeilern am Rande des Sees gebaut und neben Holz- teilweise auch durch Bambusstraßen verbunden, die sich unter den Füßen auch gerne ein wenig bewegen.

Das Wasser in dem sich die grauen Wolken gespiegelt haben, sah irgendwie geheimnisvoll und sehr schön, wenn vielleicht auch ein bisschen gruselig, aus. Der Regen, der kurz nach unserer Ankunft im Dorf folgte war auf jeden Fall nicht mehr schön, aber auch schon nach 15 min. vorbei. Wenn es hier richtig regnet, braucht es allerdings keine halbe Minute bis man nass ist bis auf die Knochen.Wir sind die 200m lange Highstreet Nzulezos langgelaufen und haben die Grundschule ganz am Ende der Straße besucht. In der 3ten und 4ten Klasse waren zusammen 3 Kinder.

Der Lehrer hat uns erklärt, dass das am Regen liegt. Die Kinder kommen deshalb nicht zur Schule. (Ist doch sehr verständlich wenn man bis zu 200m zur Schule laufen muss.)

Danach war unser Besuch eigentlich auch schon vorbei, denn viel gibt es in Nzulezo eigentlich nicht zu sehen.

Achja, Wakye gefrühstückt haben wir auch noch in Nzulezo. Wakye ist Reis mit Bohnen gemixt in einer Art Tomatensoße. Ein typisch ghanaisches Frühstück. Mehr gab es dort auch zu dem Zeitpunkt nicht. Die BewohnerInnen Nzulezos trinken das Seewasser trotz seiner Farbe. Wir haben es aus Rücksicht auf unsere Mägen bei einmal Probieren gelassen und lieber weiter unser Plastiktütenwasser getrunken.

Der Rückweg war nochmal echt aufregend, da es, als wir mitten auf dem See waren, angefangen hat zu Gewittern. Nass werden ist das eine aber vom Blitz erschlagen werden wollten wir eigentlich nicht. Nach kurzer Erklärung wurde auch dem Fährmann die Situation klar und so war der Rückweg einiges schneller Zurückgelegt als der Hinweg.

Der Ausflug war wirklich interessant, wenn auch ab und zu (wegen des Wetters und der ghanaischen Zeitplanung) durch kurze Anfälle schlechter Laune durchzogen, und wir konnten auch wieder die wunderschöne Natur Ghanas bestaunen.

 Zu sehen, wie die Menschen dort auf so wenig Platz ohne viel Möglichkeiten, sich von dem ganzen mal eine Ruhe zu gönnen, leben können, war wirklich faszinierend, wenn auch keine Lebensweise für mich. In Nzulezo gibt es so was wie „Privatsphäre“ wahrscheinlich nicht mehr wirklich. Und dieses Wort wird in Ghana auch so gerne sehr klein geschrieben.

Ein wenig haben Ragna und ich uns dort auch als Eindringlinge gefühlt, weil es in diesem Dorf doch sehr offensichtlich ist, dass wir nur zum „Anschauen“ vorbei kommen.

 Dennoch bin ich bin jedes Mal dankbar für Ausflüge dieser Art, die einem Seiten Ghanas zeigen, die vielleicht nicht für jeden Touristen zum Vorschein kommen.

 

 

01.06.2010

Gerade bin ich mit Waschen fertig geworden. Eine der unspaßigsten Notwendigkeiten hier. Immerhin hat man dabei immer viel zeit zum Nachdenken.

Und nachgedacht habe ich in letzter Zeit sehr viel. Über den Fortgang unseres Projekts, über die Zeit, wenn Ragna erstmal weg ist  und über Ghana und GhanaerInnen generell.

Was unser Projekt angeht, läuft alles weiterhin gut, wir bekommen mehr Routine wodurch unsere Stunden auch besser werden, wir haben unseren „Projektfilm“, den wir vor einiger Zeit gefilmt haben endlich geschnitten warten dank der Ghanaischen Bürokratie und Arbeitseinstellung der Ministeriumsangestellten allerdings immer noch auf die Genehmigung um auch an den öffentlichen Schulen unterrichten zu dürfen. Kaum zu glauben, aber den armen MitarbeiterInnen im Bildungsministerium wurde jetzt offiziell verboten während der Arbeit Fernsehen zu gucken. Schon gemein! Gab auch erst eine ziemliche Diskussion darüber, ob man das überhaupt machen kann, weil sie dann ja, für ihre Arbeit evtl. wichtige, Nachrichten verpassen könnten. Soweit ich das bis jetzt beurteilen kann, spielen die Damen und Herren im Bildungsministerium sowieso lieber Computer statt Fernsehen zu gucken...

Genug der bösen Ironie.

Ragna bleibt mittlerweile nur noch eine Woche in Ghana und dann geht’s zurück nach Deutschland.

So richtig haben wir es beide noch nicht realisiert. Wenn sie weg ist, wird es für mich nochmal etwas anders hier. Nicht unbedingt leichter aber bestimmt auch interessant. Die Projektarbeit wird auf jeden Fall anstrengender, weil ich ihren Teil mit übernehmen muss. Für die Organisation hab ich ja noch Sammy, der mir immer fleißig hilft und durch sein Rumgealber die Wartezeit im Ministerium oder in der Bank um einiges kürzer erscheinen lassen kann.

Letztens war ich mit ihm außerdem zur Filmpremiere des neuen ghanaischen Films „Hot Fork“.

In meinem ganzen Leben habe ich noch nicht so einen schlechten Film gesehen! Die Vorstellung war trotzdem interessant, weil sehr ghanaisch.

Während wir uns in Deutschland schon über das Popkornknistern unseres Sitznachbars beschweren, genießen die GhanaerInnen es,  lauthalts während der Vorstellung über die Schauspieler oder den weiteren Verlauf des Filmes zu diskutieren. Und das über das halbe Kino hinweg. Dazu lacht das gesamte Publikum lauthals an Stellen, bei denen ich höchstens über die Unfähigkeit des Kameramanns lachen konnte. Ghanaischer Humor ist schon sehr anders.

Da der Film natürlich zu spät angefangen hat und die Leute für die zweite Vorstellung schon ungeduldig am warten waren, wurde zur Krönung das Ende des Filmes vorgespult. So  ich auch noch meinen Grund zu lachen.

Ragna war in letzter Zeit des häufigeren etwas krank und musste wegen eines bösen Hustens, der einfach nicht verschwinden will, einige Male ins Krankenhaus. Nachdem sie fast in Ohnmacht gefallen wäre, weil der Arzt des ersten Krankenhauses ihr eine Überdosis an Paracetamol verschrieben hat, hat sie das Krankenhaus gewechselt. Das zweite Krankenhaus hat auf jeden Fall bessere Ärzte allerdings ein großes Platzproblem. Zu viele Kranke und zu wenig Ärzte, Krankenschwestern, Behandlungszimmer. Daher liegen einige Patienten statt nicht in Krankenbetten sondern auf den Bänken im Wartezimmer und man sieht ab und zu Frauen mit ihren Infusionen auf dem Kopf rumlaufen. Die drei Male die Ragna jetzt da war, hat sie jedes Mal jemand sterben sehen und das letzte Mal sollte ein Patient von einer Bank auf eine Liege gehoben werden wobei die Infusionsspritze irgendwie raus gerissen ist, so dass das Blut überall rumgespritzt ist.

Das sind immer so Momente, wo einem wieder stärker klar wird, dass man sich hier in einem „Entwicklungsland“ befindet.

Trotz des nervigen Minesteriums und der Krankenhausgeschichten gefällt es mir nach wie vor gut hier. Besonders, weil ich mit dem neuen Projekt wirklich das Gefühl habe, ein wenig helfen zu können und gleichzeitig hier jeden Tag etwas neues Lerne und einfach eine „ganz andere Art Leben“ kennenlerne. Bei vielen Sachen, die ich hier sehe und erlebe wird mir klar, dass es nur wirklich selten ein „richtig“ und „falsch“ gibt. Das macht das Leben zwar nicht gerade einfacher aber irgendwie doch gerade interessant.

Das habe ich auch letztes Wochenende gemerkt, an dem wir mit Sammy und seinem Freund Francis zum kleinen, auf dem Wasser gebauten Dorf „Nzulinsu“ gefahren sind. Ein besonderer, nicht nur einfacher aber super interessanter Trip. Mehr dazu im nächsten Blogeintrag!

26.05.2010

Aus riesigen Boxen kommt ein Mix aus  traditionellem Highlife über Gospel bis hin zum neuen  Hiplife. Gerade spielen sie „Sexmachine“ und auf der Tanzfläche tanzt ein Mittsechziger Mann mit einer sehr sehr sehr gut beleibten Frau im Traditional (Kleid). Wenn er lacht zeigt er die großen Lücken in seinem Mund, wo früher mal Zähne waren. Jetzt fasst er sich in den Schritt und macht ein paar komplizierte Tanzschritte- Michael Jackson?

Sie dreht ihm den Rücken zu . Allerdings nicht um wegzugehen, sondern um ihren großen Hintern im Takt der Musik an ihn zu drücken.

Die Tanzfläche füllt sich nach und nach immer mehr mit Männern und Frauen jeden Alters.

Alle tragen schwarz. Die Frauen hauptsächlich Traditionals.

Ich bin auf einer Beerdigung.

 

Aber eines nach dem anderen:


Letztes Wochenende war ich nämlich in Lateh (etwas außerhalb Accras) mit Sammy auf der Beerdigung seiner Oma.

Das war echt interessant, weil komplett anders als bei uns.

Es fängt damit an, dass seine Oma vor mehr als zwei Monaten gestorben ist, mit der Beerdigung aber noch ziemlich lange gewartet wird, damit auch wirklich alle Verwandten, die häufig auch über Amerika und Europa verteilt sind, die Chance haben, zu der Party (ja Party!) zu kommen!

Die Beerdigung zieht sich über drei Tage hin und beginnt traditionell mit dem "Wakekeeping" (hier muss angemerkt werden, dass es sich um eine christliche Beerdigung handelt. Die der Moslems hier laufen nochmal komplett anders ab).

Wir sind also spät Abends in Lateh angekommen und sofort in einen kleinen Hinterhof gegangen von dem aus man durch ein  Fenster, vor dem ein Seidenvorhang hing, die aufgebettete Tote sehen konnte. Später wurde der Vorhang dann auch weggenommen und man konnte in den Raum reingehen.

In dem Hinterhof haben die Verwandten und Freunde, die das Wakekeeping richtig ernst nehmen, die ganze Nacht durch getrommelt, geklagt, gesungen, geklatscht, getanzt und gelacht. Bei dieser Beerdigung war das Lachen auch ganz klar dem Klagen überlegen, da Sammys Oma schon alt war und man sich eher über das lange und glückliche Leben freut, während bei Beerdigung von jungen  Leuten auch die ganze Nacht durch geweint wird.

Einige Familien bezahlen sogar Leute aus der Nachbarschaft, damit sie mit weinen.

Ich war anfangs, auch von der Trotrofahrt, etwas erschöpft, mit Allem ein bisschen überfordert und wollte das ganze lieber nur von Außen beobachten - fast unmöglich!

Alle fünf min. wurde ich aufgefordert, mitzumachen und irgendwann kann man dann auch nicht mehr Nein sagen und so habe ich mitgetanzt, -geklatscht, -getrommelt.

Und ich kann sagen: Es macht wirklich wach und so konnte ich am Schluss auch mitlachen. Gegen vier Uhr Morgens haben wir uns von der tapferen Gruppe, die immer noch fleißig dabei war getrennt, und sind schlafen gegangen.

 

Der nächste Morgen war allerdings - dementsprechend - nicht so einfach.

Nach fünf  Stunden Schlaf ging es weiter zum Familienhaus, wo vieles vorbereitet werden musste.

Die Beerdigungen hier finden immer im sehr großen Rahmen statt. Sprich: jedeR, der/die den/die ToteN ein bisschen kannte, kommt.

Natürlich muss auch jedeR gut bewirktet werden, so dass im Familienhaus große Massen an Essen gekocht wurden und auch ich einige Zeit mit "Löffel in Servietten einwickeln" beschäftigt war.

Beim Familienhaus habe ich Sammys unzählige Tanten kennengelernt, bei denen man nie sagen kann, ob sie seine "richtigen" Tanten sind oder nicht.

In Ghana sind nämlich auch Cousinen, Cousins oder enge Freunde der Familie "Brüder und Schwestern" bzw. "Tanten und Onkel" oder sogar "Mütter und Väter".

Die "Queen" der unzähligen Tanten verbringt eigentlich die ganzen drei Tage mit Vorbereitungen, während ich mit den anderen Tanten zum Hauptspielort der Beerdigung gehen konnte. (Die Männer sind auch in Gruppen rum gelaufen und haben "Männerarbeiten" erledigt  :p )

Der Hauptplatz besteht aus einer großen Tanzfläche umstellt mit Zelten in schwarz und rot und vielen vielen farblich passenden Stühlen für die Gäste.

 

Aus den großen Boxen an der Seite kommt laute Musik nur durch wenige Ansagen unterbrochen.

Und da sind sie ja auch, der zahnlose Mann mit dem Michael Jackson Tanzstil und die gut beleibte Frau mit dem beweglichen Hintern.

Wie schon erwähnt wird auch hier wie bei uns Schwarz getragen. Die Frauen haben fast ausnahmelos  maßgeschneiderte "Traditionals" an, und die Älteren Männer haben, wie es sich gehört , große Stoffe in schwarz und rot in einer bestimmten Technik um den Körper gelegt.

Ich fühle mich ein wenig "underdressed", vergesse das allerdings schnell, da ich nicht so behandelt werde, sondern wieder von allen Seiten zum Tanzen aufgefordert werde. Nach einiger Zeit tauchen erst die Queenmoms und dann der Chief (traditionelle Regierung) Latehs auf, denen die engsten Familienmitgliedern die Hand geben.

Ich darf mich einreihen und treffe somit meinen ersten Chief.

Mit Tanzen, Essen, Trinken, Händeschütteln geht der Tag weiter und zumindest heute kann ich etwas früher ins Bett gehen, denn am nächsten Tag geht es früh wieder los!


Am dritten und für mich letzten Tag der Feier gehen die BeerdigungsteilnehmerInnen morgens früh in die Kirche.

In diesem Fall in die Church of Pentecost of Lateh. Mehr ein Steinrohbau als eine Kirche, wie wir sie in Deutschland kennen. Keine hohen Schmuckdecken, keine bunten Fenster. Dafür ein einfach wunderschöner Ausblick auf kilometerweise Bäume.

Außerdem ist der Raum gefüllt mit wunderschönen Stimmen und die Frauen sehen in den weißen Traditionals mit der schwarzen Haut besonders schön aus.

Sammys eine Tante singt ganz alleine vor der ganzen Kirche. Alle hören still zu um dann aus voller Lunge einzustimmen. Natürlich wird auch wieder getanzt und geklatscht. Ich bekomme eine Gänsehaut.

Ich muss mich nach dem Kirchenbesuch und nachdem ich mich von fast allen Familienmitgliedern verabschiedet habe, wieder auf den Weg nach Hause machen.

Auf der dreistündigen fahrt nach Hause (mir wurde vorher gesagt, dass es 30min dauert --> Ghana) hatte ich auf jeden Fall viel Zeit zum drüber Nachdenken, eine schöne Erfahrung mehr gesammelt und eine Entscheidung getroffen:

Auf meiner Beerdigung soll auch Party gemacht werden. "Don't worry be happy!" als Beerdigungslied find ich nicht schlecht!

 

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