Für alle, die schon unheimlich gespannt auf die, in meinem letzten Blogeintrag angekündigte Erzählung, zu meinem Ausflug nach Nzulezo warten: Das Warten hat ein Ende, denn hier ist sie! :
In Takoradi, der Hauptstadt der Westernregion haben Ragna und ich uns mit Sammy und Francis getroffen, um von da weiter zu fahren in das kleine Dorf Esiama von wo aus es weiter gehen sollte nach Nzulezo, das Dorf auf dem Wasser.
Da hier unten in Ghana gerade die Regenzeit angefangen hat, wurden unsere Pläne ein wenig durchkreuzt. In der Regenzeit merkt man den Regen durch starke Winde und dunkle Wolken am Himmel meist bevor er kommt. Manchmal ist es dann aber trotzdem schon zu spät. Wenn es regnet passiert gar nichts mehr. Die Kinder gehen nicht zur Schule, die Eltern nicht zur Arbeit, alle Marktstände werden abgebaut und kurz vorher entsteht immer ein großes Gewusel, weil jedeR möglichst schnell ins Trockene will. „Obruni Obruni, yen coo fie! The rain is coming!“ „Weiße Weiße, lass nach Hause gehen! Der regen kommt!“
Wir hatten in Takoradi allerdings nicht die Möglichkeit nach hause zu gehen und so standen wir eben eine Stunde ungemütlich frierend unter einer Markise und haben auf Sonnenschein gewartet.
Wenn es hier Regnet, dann aber richtig! Hinzu kam, dass Sammys Zeitplanung sehr ghanaisch war und wir statt 1er Stunde nach Nzulezo gut 2 Stunden alleine nach Esiama gebraucht haben, so dass es letztendlich zu spät war, um nach Nzulenzo selber weiter zu fahren.
Esiama ist ein sehr kleines Dörfchen in das anscheinend sehr selten Touristen kommen. Zumindest waren wir als Weiße noch mehr Attraktion als sonst. Da es schon dunkel war, als wir ankamen, konnten wir die wunderschöne Umgebung des Dorfes erst am nächsten Morgen richtig würdigen.
Am Ankunftsabend war unsere größte Sorge erstmal eine Unterkunft zu finden. Gesorgt haben sich eigentlich nur Ragna und ich und diese Sorge war auch noch unbegründet, denn wir sind nunmal in Ghana und die GhanaerInnen sind eines auf jeden Fall: Gastfreundlich!
So wurden wir von Ata, den Sammy im Trotro von Takoradi nach Esiama kennen gelernt hat, zu ihm nach Hause eingeladen.
Dort wurde die Matratze aus dem Ehebett ins Wohnzimmer gebracht und alle Sessel zusammen geschoben, damit wir uns auch ja wohl fühlen.
Ata und seine Frau haben mit ihrem Baby auf dem Lattenrost geschlafen. Ragna und mir war es etwas unangenehm, dass wir den beiden ihren Schlafplatz weggenommen haben und wollten ihnen am Schluss wenigstens etwas Geld geben. Sammy hat uns erklärt, dass es für die beiden eine Ehre ist uns zu beherrbergen und es eine Beleidigung wäre, wenn wir ihnen dafür Geld in die Hand drücken würden. Ganz wohl haben wir uns allerdings trotzdem nicht gefühlt und nochmal ganz stark das „Wir sind in Ghana Feeling“ bekommen. Hier lernt man andauernd, dass es so häufig doch nicht nur Schwarz und Weiß (haha das ist ja voll doppeldeutig) bzw. richtig und falsch gibt.
Da wir sehr erschöpft waren sind wir nur noch schnell in die Dorfchopbar gegangen, um Fufu mit Groundnutsoup zu essen. Nicht nur da wurde viel getuschelt, weil Obrunis im Dorf sind, sondern auch als wir dann endlich schlafen gehen wollten konnten wir durch unser Fenster noch viele neugierige schwarze Augen gucken sehen.
Am nächsten Morgen wollten wir früh los, haben aber vorher nochmal kurz die wunderschöne Landschaft, in der das Dorf gebaut ist, genossen.
Esiama liegt direkt am Meer. Der Strand ist voll mit bunt angemalten großen Holzfischerbooten und Netzen. Wir konnten einer Gruppe junger Fischer zusehen, wie sie ihr Netz eingezogen haben. Große Beute haben sie allerdings nicht machen können aber trotzdem danach sehr stolz mit ihrem einzigen Fang, einem kleinen Rochen, vor meiner Kamera posiert.
Geht man den Strand Esiamas etwas runter kommt man zu einer kleinen Flussmündung, die direkt neben dem Meer liegt und von Palmen umgeben ist. Bei gutem Wetter bestimmt noch viel schöner.

Schnell ging es dann endlich auf einer typisch ghanaischen Hubbelstrecke weiter nach Nzulezo.
Der Anfang des Dorfes liegt noch auf dem „Festland“ und man muss kurz warten, bis ein „Fährmann“ kommt und mit einem in eines der großen Holzkanus steigt um auf dem Fluss los zu staksen. Denn zumindest im ersten Teil der Strecke ist das Wasser sehr flach, so dass nicht gepaddelt wird sondern eben gestakst.
Der Fluss ist sehr schmal und von hohem Seegras und Palmen umgeben. Um einen herum sieht man nur grün während wir wenn wir nach oben geguckt haben; einen grauen Himmel mit dunklen Wolken erblicken konnten, die schon wieder das nächste Unwetter ankündigten. Das Wasser hat die Farbe von Cola, was von den Wurzeln der Bäume kommt, wie uns der Fährmann erklärt hat.
Der Fluss mündet in einen See, der von Palmen und „Flowing Grass“ umgeben ist. Das „Flowing Grass“ ist Seegras mit sehr kurzen Wurzeln, dass vom Wind leicht von einer Stelle des Sees zur anderen bewegt werden kann.
Ab und zu trifft man auf die Bewohner Nzulezos (ich weiß nicht genau, ob man sie Nzulesen oder Nzulezoaner oder sonst wie nennt) die mit ihren Booten zum Festland fahren um ein- und zu verkaufen. Nach einer Stunde sind wir zum Glück relativ trocken in Nzulezo angekommen. Die knapp 60 Holzhäuser sind auf hohen Holzpfeilern am Rande des Sees gebaut und neben Holz- teilweise auch durch Bambusstraßen verbunden, die sich unter den Füßen auch gerne ein wenig bewegen.

Das Wasser in dem sich die grauen Wolken gespiegelt haben, sah irgendwie geheimnisvoll und sehr schön, wenn vielleicht auch ein bisschen gruselig, aus. Der Regen, der kurz nach unserer Ankunft im Dorf folgte war auf jeden Fall nicht mehr schön, aber auch schon nach 15 min. vorbei. Wenn es hier richtig regnet, braucht es allerdings keine halbe Minute bis man nass ist bis auf die Knochen.Wir sind die 200m lange Highstreet Nzulezos langgelaufen und haben die Grundschule ganz am Ende der Straße besucht. In der 3ten und 4ten Klasse waren zusammen 3 Kinder.
Der Lehrer hat uns erklärt, dass das am Regen liegt. Die Kinder kommen deshalb nicht zur Schule. (Ist doch sehr verständlich wenn man bis zu 200m zur Schule laufen muss.)
Danach war unser Besuch eigentlich auch schon vorbei, denn viel gibt es in Nzulezo eigentlich nicht zu sehen.
Achja, Wakye gefrühstückt haben wir auch noch in Nzulezo. Wakye ist Reis mit Bohnen gemixt in einer Art Tomatensoße. Ein typisch ghanaisches Frühstück. Mehr gab es dort auch zu dem Zeitpunkt nicht. Die BewohnerInnen Nzulezos trinken das Seewasser trotz seiner Farbe. Wir haben es aus Rücksicht auf unsere Mägen bei einmal Probieren gelassen und lieber weiter unser Plastiktütenwasser getrunken.
Der Rückweg war nochmal echt aufregend, da es, als wir mitten auf dem See waren, angefangen hat zu Gewittern. Nass werden ist das eine aber vom Blitz erschlagen werden wollten wir eigentlich nicht. Nach kurzer Erklärung wurde auch dem Fährmann die Situation klar und so war der Rückweg einiges schneller Zurückgelegt als der Hinweg.
Der Ausflug war wirklich interessant, wenn auch ab und zu (wegen des Wetters und der ghanaischen Zeitplanung) durch kurze Anfälle schlechter Laune durchzogen, und wir konnten auch wieder die wunderschöne Natur Ghanas bestaunen.
Zu sehen, wie die Menschen dort auf so wenig Platz ohne viel Möglichkeiten, sich von dem ganzen mal eine Ruhe zu gönnen, leben können, war wirklich faszinierend, wenn auch keine Lebensweise für mich. In Nzulezo gibt es so was wie „Privatsphäre“ wahrscheinlich nicht mehr wirklich. Und dieses Wort wird in Ghana auch so gerne sehr klein geschrieben.
Ein wenig haben Ragna und ich uns dort auch als Eindringlinge gefühlt, weil es in diesem Dorf doch sehr offensichtlich ist, dass wir nur zum „Anschauen“ vorbei kommen.

Dennoch bin ich bin jedes Mal dankbar für Ausflüge dieser Art, die einem Seiten Ghanas zeigen, die vielleicht nicht für jeden Touristen zum Vorschein kommen.